Abarth Porsche, 21 Liebeserklärungen

Gründer: Carlo Abarth
Gründung: 1949
Hauptsitz: Turin, Italien

Gründer: Ferdinand Porsche
Gründung: 1931
Hauptsitz: Stuttgart, Deutschland

Nur wenige Kooperationen im Automobilbau besitzen einen derart mythischen Klang wie die Verbindung von Porsche und Abarth. Anfang der 1960er entstand aus dieser Zusammenarbeit ein Fahrzeug, das bis heute als die vielleicht faszinierendste Variante des Porsche 356 gilt: der Porsche 356 B Carrera GTL Abarth. Mit seinem extrem leichten Aluminiumkleid, der markant flachen Silhouette und dem legendären Viernockenwellen-Motor stellte er eine völlig neue sportliche Interpretationsstufe des 356 dar.

Zwischen 1960 und 1961 entstanden lediglich rund 20 bis 21 Exemplare. In dieser Exklusivität begründet sich bis heute der Ausnahmecharakter des Fahrzeugs.


Entstehung: Warum Porsche Abarth ins Boot holte

Ende der 1950er arbeitete Porsche daran, den 356 für internationale Langstreckenrennen weiterzuentwickeln. Die bisherigen GT-Modelle waren schnell, aber aerodynamisch an ihre Grenzen gestoßen. Statt eine neue Form in Stuttgart zu entwickeln, entschied man sich für eine mutige Lösung: Die Karosserie sollte in Italien entstehen, bei einem damals bereits legendären Spezialisten für Leichtbau und Windschnittigkeit: Carlo Abarth.

Abarth konstruierte eine eigenständige Coupéform, gefertigt aus besonders dünnem Aluminium. Die ersten Karosserien entstanden bei Rocco Motto, spätere Serienkörper wurden eng an die Handwerkstradition von Zagato angelehnt. So entstand ein 356, der optisch nicht nur völlig eigenständig wirkte, sondern auch eine aerodynamische Effizienz erreichte, die im Motorsport sofort Wirkung zeigte, der Porsche GTL Abarth.


Technik Porsche GTL Abarth: Leicht wie ein Schatten, stark wie ein Rennpferd

Unter der eleganten Karosserie arbeitete das berühmteste kleine Rennherz aus Zuffenhausen: der 1,6-Liter-Carrera-Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen. Je nach Ausbaustufe leistete er rund 135 PS, eine beeindruckende Zahl für ein Fahrzeug, das kaum mehr als 770–780 Kilogramm wog.

Die Kombination aus ultraleichtem Aufbau, hoher Steifigkeit, kompakter Stirnfläche und dem freidrehenden Viernockenwellenmotor machte den Porsche GTL Abarth zu einem Rennauto, das in seiner Klasse kaum zu schlagen war. Besonders beeindruckend war der extrem niedrige Luftwiderstand, der auf schnellen Strecken für deutlich höhere Reisegeschwindigkeiten sorgte als bei den herkömmlichen GT-Versionen des 356.


Wie viele wurden gebaut? Die berühmte „20 oder 21“-Frage

Bis heute existieren zwei Zahlen, die in Sammler- und Fachkreisen kursieren:

• 20 gebaute Fahrzeuge – diese Zahl findet sich in mehreren technischen Dokumentationen und zeitgenössischen Porsche-Unterlagen.
• 21 gebaute Fahrzeuge – Museumsangaben, Sammlerkataloge und internationale Ausstellungen sprechen von einer Produktionsserie mit 21 Nummern.

Tatsächlich existiert ein durchgängiger Satz von Fahrgestellnummern GTL1001 bis GTL1021, was 21 Einheiten entspricht. Da die frühe Kleinserienproduktion jedoch nicht streng dokumentiert war, halten Experten heute eine Formulierung für am saubersten:

„Der Porsche 356 B Carrera GTL Abarth entstand in einer extrem kleinen Serie von rund 20 Fahrzeugen.“

Für Sammler hat sich die Zahl 21 dennoch weitgehend durchgesetzt, auch weil praktisch jedes bekannte Exemplar bis heute überlebt hat.


Ausgewählte Fahrzeuge und ihre Historien

Da nicht alle Chassis lückenlos dokumentiert sind, folgt hier eine kuratierte Auswahl besonders gut belegbarer Porsche GTL Abarth.

Tabelle: Bedeutende Porsche 356 B Carrera GTL Abarth

Fahrgestell / KennungBaujahrMotorBekannte Besitzer / BedeutungMotorsport-Historie
GTL 100119601,6-Liter Carrera, ViernockenwellenWerkswagen von PorscheNürburgring 1000 km, Le Mans 1960, Goodwood TT – mehrfach Klassensieger
Werks-GTL #441960Carrera 1600 GSPorsche Museumals eines der offiziellen Werks-Coupés Teil zahlreicher Museums- und Jubiläumsausstellungen
Pebble Beach GTL (Croul Collection)1960Carrera 1600 GSJack & Kingsley Croul, Kalifornien3. Platz Pebble Beach Concours d’Elegance 2024
Ingram Collection GTLfrühe 60erCarrera-VierzylinderIngram Collection, USAnach Brandschaden restauriert, später wieder prämiert
GTL mit Le-Mans-Historie (1961/62)1960/61Carreraverschiedene PrivatteamsKlassensiege bei Le Mans, Targa Florio, Solitude – eines der erfolgreichsten Privatautos
Historics-GTL (Startnummer 12/173)1960/61Carreraheutige Privatbesitzer nicht veröffentlichtregelmäßiger Teilnehmer bei Le Mans Classic und historischen Langstreckenläufen

Diese Auswahl dient als repräsentativer Überblick über dokumentierte Fahrzeuge. Eine vollständige Tabelle ist aufgrund der teils privaten Historien nicht öffentlich rekonstruierbar.


Renneinsätze: Der kleine GT, der die Großen ärgerte

Zwischen 1960 und 1963 mischte der Porsche GTL Abarth die internationale GT-Szene auf. Seine Spezialität waren Langstreckenrennen, bei denen Aerodynamik und Gewicht eine entscheidende Rolle spielten.

Zu den wichtigsten Erfolgen zählen:

  • 24 Stunden von Le Mans – mehrfach Klassensiege in der 1,6-Liter-GT-Kategorie
  • 1000 km Nürburgring – hochkarätige Platzierungen gegen deutlich stärkere Konkurrenz
  • Goodwood Tourist Trophy – Klassensieg und Top-5 gesamt
  • Targa Florio – beeindruckende Zeiten auf der legendären Rundstrecke
  • diverse Bergrennen, bei denen die Leichtbaukarosserie ihre Vorteile ausspielte

Der Porsche GTL Abarth entwickelte sich zu einem Fahrzeug, das in fast jeder Veranstaltung „über seiner Klasse“ fuhr.


Neupreis damals

Der Porsche GTL Abarth war bereits zu seiner Zeit eines der teuersten 356-Derivate überhaupt. Der Preis lag in Europa bei rund 25.000 DM, was ihn klar als exklusive Kleinserie positionierte.

Wertentwicklung heute

Am heutigen Markt gehört der Porsche 356 B Carrera GTL Abarth zu den wertvollsten 356-Varianten überhaupt, teilweise auf Augenhöhe mit frühen Porsche-Prototypen.

Faktoren für die hohe Bewertung:

  • extrem geringe Stückzahl
  • motorsportliche Relevanz
  • ikonisches Design jenseits der klassischen 356-Form
  • hochkomplexer Viernockenwellenmotor
  • außergewöhnlich vollständige Erhaltung der Serie (nahezu alle Fahrzeuge existieren noch)

Preisband & Einschätzung

Es existieren nur sehr wenige öffentliche Auktionen, die meisten Verkäufe finden diskret statt. Die internationale Sammlerszene orientiert sich an folgenden Größenordnungen:

  • niedriger siebenstelliger Bereich für gut restaurierte Exemplare
  • deutlich darüber für Werkswagen oder Autos mit Le-Mans-Historie
  • hohe Wertstabilität, steigende Nachfrage bei spezialisierten Porsche-Sammlern

Der GTL Abarth gilt damit als einer der Top-3-356 der Welt, gemeinsam mit dem Carrera GS/GT und dem 356 Carrera Speedster mit Fuhrmann-Motor.


Fazit Porsche GTL Abarth: Ein Porsche wie kein zweiter

Der Porsche 356 B Carrera GTL Abarth ist nicht nur ein technisches Meisterstück, sondern auch ein kulturelles Artefakt: ein seltener Moment, in dem deutsche Ingenieurskunst und italienische Leichtbaukunst ein gemeinsames Kapitel der Motorsportgeschichte schrieben.

Für Sammler, Historiker und Markenfans gehört der Porsche GTL Abarth zu den faszinierendsten und wertstabilsten Porsche-Fahrzeugen überhaupt. Für uns bei CARLEXANDRIA ist er ein unverzichtbarer Bestandteil einer umfassenden Markenbibliothek.

Abarth × Porsche

Titel

Weitere Links:

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